Gesundheitsversorgung im Oberengadin unter Druck - Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin legt möglichen Sanierungsplan dar

Am 4. November bzw. 14. Dezember 2025 stimmen die elf Gemeinden der Gesundheitsversorgungsregion Oberengadin über eine befristete Übergangsfinanzierung für den Weiterbetrieb des Spitals Oberengadin in den Jahren 2026 und 2027 ab. Im Hinblick auf die Abstimmungen legt die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) einen möglichen Sanierungsplan dar.

Der Stiftungsrat der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) hat den elf Gemeinden der Gesundheitsversorgungsregion Oberengadin den Antrag für eine neue, auf zwei Jahre befristete Leistungsvereinbarung unterbreitet (Siehe Mitteilung). Diese umfasst eine Übergangsfinanzierung von 50.8 Millionen Franken für das Spital Oberengadin und regelt das Leistungsangebot sowie die Finanzierung für die Jahre 2026 und 2027. Wird die neue Leistungsvereinbarung nicht von allen Gemeinden angenommen, endet die bisherige Vereinbarung ersatzlos Ende 2025.

Bei Ablehnung wäre SGO gefährdet

«Ohne die neue Vereinbarung und die damit verbundene Übergangsfinanzierung wäre die SGO innert Kürze zahlungsunfähig», stellt Selina Nicolay, Stiftungsratspräsidentin, klar. Der Stiftungsrat wäre gezwungen, die Aufsichtsbehörden aufzufordern, eine Nachlassstundung oder den Konkurs der SGO zu beantragen – mit einschneidenden Konsequenzen für das Spital Oberengadin.

Transparenz ermöglicht freie Meinungsbildung für Abstimmung

«Als Stiftungsrat tragen wir Verantwortung, auch schwierige Szenarien vorzudenken – dazu gehört auch die Möglichkeit, dass die befristete Leistungsvereinbarung abgelehnt werden könnte», so Nicolay. Deshalb haben der Stiftungsrat und Vertretende der Klink Gut AG St. Moritz sowie des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) im Hinblick auf die Gemeindeabstimmungen vom 4. November bzw. 14. Dezember 2025 einen möglichen Sanierungsplan skizziert. Denn bei einem möglichen Nein zur befristeten Leistungsvereinbarung gehe es nicht nur um eine finanzielle Frage, sondern auch darum, die Versorgung der Region Oberengadin mit Gesundheitsdienstleistungen sicherzustellen, sagt Nicolay.

Wenn nicht alle elf Gemeinden der befristeten Leistungsvereinbarung zustimmen, sieht ein möglicher Sanierungsplan (die Genehmigung des Sachwalters sowie des Gerichts würden immer vorausgesetzt werden) vor,

  1. das Spital Oberengadin während einer Nachlassstundung geordnet zu schliessen. Teile des Leistungsangebots würden von der Klinik Gut AG mit Unterstützung des KSGR übernommen. Die Weiterführung bestimmter Abteilungen, insbesondere die Geburtshilfe, würden einer Leistungsvereinbarung der Gemeinden bedürfen. Über diese würde im ersten Quartal 2026 abgestimmt;
  2. die Alterszentren, die Spitex und die Beratungsstelle Alter und Gesundheit in eine neue Betriebsorganisation zu überführen. Betreffend die  neuen Leistungsvereinbarungen sowie die Übertragung der Betriebe würde im ersten Quartal 2026 eine Abstimmung durchgeführt, in welcher die Gemeinden darüber zu befinden hätten;
  3. die Beteiligung der SGO an der Rettung Oberengadin an Dritte oder die Klinik Gut AG zu veräussern und  
  4. die Spital- und Personalhäuser in die Nachlass- bzw. Konkursmasse zu überführen.

Mögliche Lösung für die Gesundheitsversorgung

«Das KSGR ist das Spital für alle Bündnerinnen und Bündner, wir behandeln als Zentrumsspital schon heute viele Patientinnen und Patienten aus dem Oberengadin», sagt Hugo Keune, CEO des KSGR. Es sei daher klar, dass sich das KSGR mit der Gesundheitsversorgung im Oberengadin befasse – insbesondere für den Fall, dass die von der SGO beantragte Leistungsvereinbarung abgelehnt würde. Keune: «Zum jetzigen Zeitpunkt sind aus unserer Sicht mehrere Varianten denkbar, wie die Gesundheitsversorgung im Oberengadin aussehen könnte». Silvan Breitenmoser, CEO der Klinik Gut, ergänzt: «Eine dieser Variante wäre, dass die stationäre Versorgung und der Notfall 24/7 an einem Standort gebündelt werden. Zusätzlich würde an einem zweiten Standort ein ambulantes Zentrum inkl. Permanence geführt». An diesem Standort könnten die ambulanten Leistungen durch verschiedene Leistungserbringer, also Klinik Gut, KSGR und Hausärzte angeboten werden.

Der Umfang des künftigen Leistungsangebots müsste vertieft geprüft werden. Sicherlich erhalten bleiben würden alle für eine umfassende Grundversorgung notwendigen Angebote (inkl. Sicherstellung einer Überwachung). Für die Weiterführung der Geburtshilfe würde eine optimale Lösung unter Einbezug aller Fachpersonen gesucht.  

Mit dem Sanierungsplan hat die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin in Zusammenarbeit mit der Klinik Gut AG und dem Kantonsspital Graubünden einen möglichen Lösungsweg erarbeitet, welcher eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung mit angepasstem Angebot für Patienten, Bevölkerung und Gäste bei einer Ablehnung der Leistungsvereinbarung 2026/27 sicherstellen könnte und für alle Beteiligten Orientierung schafft, bei gleichzeitiger finanzieller Entlastung der Gemeinden.

Hinter den Zahlen stehen Menschen
Die aktuelle Situation ist nicht nur eine finanzielle und organisatorische Herausforderung, sondern betrifft direkt jene Menschen, die Tag für Tag im Einsatz stehen – die Mitarbeitenden des Spitals, der Alterszentren, der Spitex, des Rettungsdienstes und der Beratungsstelle Alter und Gesundheit. Trotz der ungewissen Zukunft leisten sie weiterhin Grosses – zum Wohl der Patientinnen und Patienten, der Bevölkerung und der Gäste im Oberengadin.

Der Stiftungsrat der SGO dankt allen Mitarbeitenden herzlich für ihren ausserordentlichen Einsatz, ihre Loyalität und ihr Engagement in dieser anspruchsvollen Zeit. Ihr Beitrag ist von unschätzbarem Wert für die Gesundheitsversorgung der Region.

Informationsveranstaltung für die Bevölkerung

Am Dienstag, 28. Oktober 2025, 19.30 Uhr findet im Kongress- & Kulturzentrum Rondo in Pontresina eine öffentliche Informationsveranstaltung im Hinblick auf die Gemeindeabstimmungen statt.

Weitere Information zur Leistungsvereinbarung 2026/2027

 

Für Rückfragen:

Medienstelle Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin
E-Mail: kommunikation@spital.net
Telefon: +41 81 851 89 86 

 

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