MENU SPITAL OBERENGADIN

Sonata Behandlung

Eine neue Methode zur Behandlung von Gebärmuttermyomen.

Frau Dr. med. Ladina Christoffel, Chefärztin Frau-Mutter-Kind, und ihr Team haben seit 2017 eine neue Behandlung für Gebärmuttermyome in ihr Leistungsspektrum aufgenommen. Die Sonata Behandlung ist eine neue minimalinvasive Operationsmethode. Das Spital Oberengadin ist schweizweit das erste Haus, in welchem diese neue Behandlungsmethode, die ohne Schnitte in die Haut auskommt, angewendet wird.

Myome sind gutartige Muskelknoten an oder in der Gebärmutter. Solche Gebärmuttermyome treten häufig auf, ungefähr bei 70% aller Frauen nach dem 40. Lebensjahr. Diese Muskelknoten verursachen jedoch lediglich in 20% der Fälle Beschwerden. Zu den möglichen Symptomen zählen schwere Blutungen, Regelschmerzen oder krampfartige Schmerzen als Reaktion auf das Myom als Fremdkörper. In gewissen Fällen können Gebärmuttermyome die Fruchtbarkeit deutlich herabsetzen. Werden diese beschwerdeverursachenden Myome nicht behandelt, können sich die Symptome mit der Zeit verschlimmern.

 

So läuft eine Sonata Behandlung ab:

Die Sonata-Sonde, welche nur wenige Millimeter Durchmesser hat, wird durch die Scheide in die Gebärmutter eingeführt. Mittels in der Sonde integriertem Ultraschall, kann die Sonde sichtgesteuert direkt neben dem Myom platziert werden. Über die Sonde wird gezielt Hitze an das Myom abgegeben. Diese Behandlung dauert pro Myom nur wenige Minuten. Das Myom schrumpft in den folgenden Wochen zusammen, was zur Linderung der Symptome führt. Nach drei Monaten haben sich die Blutungsstörungen erfahrungsgemäss um 90% reduziert. Mit der Sonata Methode können mehrere Myome in derselben Sitzung behandelt werden.

Die Sonata Behandlung ist eine einfache, schmerzfreie und in wenigen Minuten durchgeführte Alternative zu den herkömmlichen Methoden der Myombehandlung. Die Gebärmutterwand wird dabei nicht verletzt. Die Patientinnen können nach der Behandlung schnell wieder in ihr privates und berufliches Umfeld zurückkehren. Ebenso ist diese Behandlung bei Kinderwunsch zugelassen.





 

Weitere Informationen zu Myomen und deren Behandlung

Allgemeine Informationen zu Myomen

Myome sind gutartige (=benigne) Geschwülste (=Tumore) ausgehend von der glatten Muskulatur der Gebärmutterwand (=Uterus). 70% aller Frauen nach dem 40. Lebensjahr haben Myome, jedoch nur ca. 20% dieser Myome verursachen Beschwerden (=Symptome). 80% der Myome treten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.

Myome sind meist umschriebene knotige, seltener diffuse, Gebilde, welche von wenigen Gramm bis zu mehreren Kilogramm schwer sein können.

Wir unterscheiden die Myome nach deren Lokalisation

  • an der Gebärmutteraussenwand (=subserös)
  • in der Gebarmutterwand (=intramural / transmural)
  • unter der Schleimhaut (=submucös)
  • in den Bändern seitlich der Gebärmutter (=intraligamentär)
  • in Muttermundsnähe (=cervical)

und deren Grösse. Die Grösse und Lokalisation der Myome kann am besten im transvaginalen Ultraschall evaluiert werden. Somit wir die Gebärmutter (= Uterus) mit einem oder diversen Myomen als Uterus myomatosus bezeichnet, unabhängig von Grösse / Lage / Symptomen der Myome.
Als spezielle Formen der Myome gelten die Adenomyose respektive das Adenomyom. Die Adenomyose ist eine diffuse Verbreiterung der Gebärmutterwand (=Myometrium) mit Einschlüssen von Drüsengewebe.

Als Ursache der Myomentstehung scheint neben einer genetischen Veranlagung ein hormonelles Ungleichgewicht (relatives Östrogenübergewicht) zu sein. Z.B. ist bei Afroamerikanerinnen das Vorkommen der Myome mehrfach erhöht im Vergleich zu Kaukasiern. Myome weisen eine hohe Östrogen- und Progesteronrezeptordichte auf. Somit fördert eine Östrogenstimulation das Wachstum (z.B. in einer Schwangerschaft), gestagenbetonte Ovulationshemmer verringern es. Nach Eintreten der Menopause stellt man Häufig eine Grössenabnahme der Myome fest, meistens kombiniert mit einer Verkalkung desselben.
Eine bösartige (=maligne) Entartung von Myomen geschieht sehr selten (wesentlich seltener als 1% der Myome) und wenn, dann vorwiegend vor der Menopause.

Symptome

Myome können symptomlos sein oder in Abhängigkeit von ihrer Grösse und Lokalisation Beschwerden verursachen. Auf Grund der Wachstumstendenz kann ein anfangs asymptomatisches Myom plötzlich viele Symptome machen wie:

  • Blutungsstörungen (zu oft, zu stark, zu lang) finden sich bei 50% der Myompatientinnen mit begleitendem Eisenmangel.

  • Schmerzen: 30% der Myompatientinnen haben Schmerzen in Form von lokalem Dehnungs- bzw. Druckschmerz durch die Myommasse, schmerzhafte Regelblutung (=Dysmenorrhoe) oder krampfartige Schmerzen durch Uteruskontraktionen, als Reaktion auf das Myom als „Fremdkörper“. Ebenso kann es zu akutesten Bauchschmerzen bei einer Stieldrehung der subserösen Myome kommen.

  • Folgeerscheinungen einer Druckwirkung auf Umgebungsstrukturen (wie Harnblase, Harnleiter (=Ureter), Darm oder Gefässe) sind selten, aber an verschiedensten Organsystemen möglich; z.B. häufiges Wasser lösen (=Pollakisurie), Nierenstauung, Verstopfung (=Obstipation), venöse Abflussstörung der unteren Extremitäten mit ggf. Thrombenbildung.

  • Infertilität: Submuköse Myome können die Fertilität deutlich herabsetzen, so dass die Entfernung dieser bei entsprechender Sorgfalt die Fertilität wieder erhöht.

 

 

Verschiedene Myom-Therapien

Eine Therapie ist nur bei Symptomen angezeigt; also in ca. ¼ der Myom-Patientinnen.

1. Prinzipiell kann primär bei wenigen Symptomen auch mal ein "wait and see" Management gewählt werden mit sonographischer Kontrolle der Myom-Grösse.

2. Des Weiteren kann bei lediglich schmerzhafter Menstruation (=Dysmenorrhoe) eine medikamentöse Therapie mit Schmerzmittel eingeleitet werden; allfällig kombiniert mit einer Eisensubstitution.

3. Gelbkörper-Hormon-Präparate (=Gestagene) wirken auf Grund des relativen Oestrogenübergewicht wie z.B. die Drei-Monats-Spritze, Pille mit Gelbkörperhormon, gestagenhaltiges Implanon für den Oberarm oder gestagenhaltige Spirale.

4. Esmya (=Ulipristalacetat) ist ein sogenannter Progesteronrezeptormodulator. Er blockiert die Wirkung von Progesteron und innert wenigen Wochen sollte sich die Blutungsstärke verringern. Da eine Esmya-Einnahme zu Erhöhung der Leberwerte bis zu Leberschädigung führen kann, sollte sie, wenn überhaupt, nur als vorübergehende Therapie angewendet werden bis eine definitive Lösung gefunden wurde. Ebenso ist die Kontrolle der Leberwerte wichtig.

5. Mit den GnRH-Analoga treten durch eine Hormontherapie künstlich die Wechseljahre ein. Sie reduzieren die Myommasse um ca. 40%. Derzeit sind GnRH-Analoga aber höchstens zur Vorbereitung auf eine Operation indiziert (um eine Reduktion der Blutungstendenz während des Eingriffs zu erreichen). Denn sie führen als Dauertherapie zu erheblichen Nebenwirkungen wie klimakterische Beschwerden. Ferner sind Rezidivbeschwerden nach Therapiestopp häufig.

6. Abtragung von submucösen gestielten Myome während der Gebärmutterspiegelung (=Hysteroskopie).

7. Enukleation der Myome, wobei die Gebärmutterwand aufgeschnitten und das Myom entfernt wird; dies kann mittels Bauchspiegelung (=Laparoskopie) oder Bauchschnitt (=Laparotomie) erfolgen. Diese Operationen können je nach Lage und Grösse der Myome technisch schwierig sein und können somit zu einem höheren Blutverlust führen als eine totale Gebärmutterentfernung (=Hysterektomie).

8. Embolisation der Myome; Embolisation der zuführenden Gefässe durchgeführt von einem Radiologen.

9. Durch den fokussierten Ultraschall wird das Myom thermoabladiert; die ganze Behandlung wird im MRI überwacht und dauert 4 -5 Stunden. (MRgFUS bzw. MR HIFU).

10. NEU in der Schweiz seit 2017 Radiofrequenz-Ablation der Myome unter transcervikaler Ultraschallkontrolle (SONATA®System)
Durch eine stabförmige wenige Millimeter messende Ultraschallsonde, welche mit einem Radiofrequenz-Ablations-Handstück kombiniert ist, kann durch die Scheide die Sonde direkt neben das Myom in der Gebärmutterhöhle (=Cavum) platziert werden. Auf einem Live-Ultraschall-Bildschirm kann somit gezielt das Myom oder mehrere Myome durch Hitzeapplikation behandelt werden; dies dauert nur wenige Minuten pro Myom. Die Myommasse schrumpft in den folgenden Wochen zusammen und 3 Monate danach reduzieren sich die Blutungsstörungen um 90%. Die einfache, schmerzfreie und in wenigen Minuten durchzuführende Methode ohne Verletzung der Gebärmutterwand (=Uterotomie) überzeugt.

11. Schlussendlich die Gebärmutterentfernung (=Hysterektomie) durch die Scheide (=vaginal), durch Bauchspiegelung (= laparoskopisch) oder durch Bauchschnitt (= Laparotomie).

Unsere Zahlen und Erfahrungen nach 1.5 Jahren mit Sonata

Wir haben bis März 2019 32 Patientinnen und somit über 50 Myome behandelt. Die grösste Volumenschrumpfungsrate stellen wir in den ersten 3 Monaten fest; im Schnitt um 64.9 Volumenprozente. Das heisst die Myome schrumpfen auf einen Drittel ihrer ursprünglichen Grösse zusammen. Nach einem Jahr liegt unsere Rate bei 77.3 %, jedoch beruht dieser Wert auf weniger als 10 Patientinnen. Diese Werte liegen sogar etwas höher als die Werte aus der europäischen Studie FAST-EU (Artikel als Anhang auf der homepage zu finden).

Was jedoch wichtiger ist als die Schrumpfungsrate sind die Beschwerden unserer Patientinnen; auch diese werden in 9 von 10 Patienten als sehr gut angegeben bzgl. Blutungsstärke und schmerzhafte Menstruation.

Diese sehr guten Zahlen motivieren uns weiterzumachen und unsere Zahlen werden ab diesem Jahr auch in der multizentrischen prospektiven europäischen Studie SAGE eingeschlossen.

Wie können Sie bei uns eine Sonata Behandlung organisieren?

Kosten

Sonata wurde bis anhin bei allen Patientinnen von der Krankenkasse bezahlt. Bitte beachten Sie spezielle Verträge mit Ihrer Krankenkasse bzgl. Franchise/Selbstbehalt. Selbstverständlich werden wir auch vor einer Behandlung für Sie eine Kostengutsprache bei Ihrer Krankenkasse einholen.

Grösse

Das Sonata-Ablationsareal ist max. 4,5 x 5,5 cm gross. Wir haben jedoch schon Myome bis zu 13 cm behandelt. Wir setzen einfach mehrere Areale auf Ihr Myom. Somit ist nicht die Grösse, sondern eher die Lage ausschlaggebend, ob bei Ihnen die Behandlung durchgeführt werden kann oder nicht.

Lage

Myome, welche nahe an Gefässen liegen (dies ist meistens in der Nähe des Muttermundes) können aus Sicherheitsgründen nicht abladiert werden. Myome, welche hinter einem andern liegen, werden nicht erreicht. Es ist jedoch möglich, das vordere Myom in einer ersten Sitzung zu schrumpfen und falls nötig das dahinterliegende ein paar Monate später.

Vor Sonata; Erster Kontakt mit uns

Interessieren Sie sich für Sonata so stellen Sie uns am besten per Mail Ihre Kontaktdaten und allfällige Ultraschallbilder auf gynaekologie@spital.net zu. Gerne vereinbaren wir mit Ihnen dann ein erstes Gespräch, dies kann auch bei weiter Anreise nur ein Telefongespräch sein. Vor der Behandlung möchten wir gerne einmal die Myome messen, Ihnen persönlich die Operation erklären und gleichzeitig lernen Sie unser Anästhesie-Team kennen.

Während der Behandlung

Die Behandlung dauert 5 – 50 Minuten, je nach Grösse und Anzahl der Myome. Wir führen die Behandlung in Teil- oder Vollnarkose durch, da die Aufdehnung des Muttermundes schmerzhaft ist. Sie haben dafür eine Infusion; ein Blasenkatheter ist nicht nötig. Für diese Behandlung müssen Sie 2 Nächte bei uns schlafen.

Nach der Sonata-Behandlung

Sofort dürfen Sie aufstehen und nach wenigen Stunden entfernen wir die Infusion. Sie dürfen sofort alle sportlichen und beruflichen Aktivitäten sowie Geschlechtsverkehr aufnehmen und müssen sich nicht schonen. Meistens brauchen Sie keine Schmerzmittel; nur 2 unserer 32 Patientinnen mussten Schmerzmittel einnehmen. Somit fallen Sie nicht mehr als wenige Tage im Arbeitsalltag aus. 4 Wochen nach der Behandlung kontaktieren wir Sie telefonisch und 3 Monaten nach der Behandlung möchten wir gerne eine Kontrolle durchführen.