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Interview mit Heinz Schneider

«Auf Kurs und im strategischen Zeitplan trotz veränderten ­Rahmenbedingungen»

Das Spital Oberengadin ist auf Kurs und kann bereits im zweiten Jahr nach den neuen strategischen Weichenstellungen eine positive Bilanz ausweisen. Nach der Analyse des Status Quo im Jahre 2015 ging es 2016 an die Umsetzung der neuen Gesamtstrategie. Es wurde enorm viel geleistet, aber auch schon viel geerntet – dies trotz veränderten Rahmenbedingungen. ­Im Interview schaut Schneider zurück auf ein bewegtes Geschäfts­jahr und gibt einen optimistischen Ausblick auf das Jahr 2017.

Herr Schneider, wenn Sie das letzte Jahr Revue passieren lassen, sind sie zufrieden? 

Ja, sehr. Die Belastung war für alle zwar erheblich, es wurde aber auch enorm viel erreicht. Ein grosser Dank geht an dieser Stelle als erstes an die Mit­arbeitenden und an die vorgesetzten Behörden – an die Spitalkommission, den Kreisrat und die Präsidentenkonferenz. Nur dank ihrer Unter­stützung konnten wir die hochgesteckten Ziele erreichen. Im letzten Jahr führten wir eine Patientenzufriedenheitsmessung durch. Gemessen an vergleichbaren Schweizer Chefarzt-Spitälern befindet sich das Spital Oberengadin im vordersten Quartil. Das freut mich. Wir dürfen uns jedoch nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen, Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al, z. B. bei den Patientenprozessen, besteht immer.

… was waren Ihre persönlichen Highlights?

Dass wir wirtschaftlich so weit gekommen sind. Ich hätte diese Zahlen eigentlich erst für 2018 erwartet. Dann natürlich die Realisierung der Abteilung Frau-Mutter-Kind in Rekordzeit als Teil unseres Masterplans. Dies war nur dank privater Geldgeber möglich. Im gleichen Zug haben wir die Praxis für Pädiatrie in St. Moritz in Betrieb genommen und die Zusammenarbeit mit den Belegärztinnen der Frauenklinik gefestigt. Eigentlich haben wir für das Oberengadin und die Südtäler mit der Pädiatrie ein medizinisches Kompetenzzentrum geschaffen, welches zudem, natürlich auch grippebedingt, einen fulminanten Start hinlegte. Weiter konnten wir die Übernahme der Ober­engadiner Dialysestation per Januar 2018 vertraglich unter Dach bringen und dadurch das Angebot des Spitals nochmals komplettieren. Besonders freut mich auch die Kooperation mit dem Spital Schiers in der Radiologie. Kooperationen unter Regionalspitälern, wie auch diejenige mit der Klinik Gut in der Orthopädie, sehe ich als strate­gisches Ziel, um das gesamte medizinische Angebot in Randgebieten auch in Zukunft anbieten zu können. All dies wurde zusätzlich zum «Daily Business» erreicht. Eine grosse Leistung der Mitarbeitenden!

Ende 2015 wurde eine neue Strategie für das Spital festgelegt. Was wurde bisher erreicht?

Im Bereich Prozesse und Infrastruktur müssen wir mit der gesellschaftlichen Entwicklung und den neusten gesundheitspolitischen Vorgaben Schritt halten. Auch findet zurzeit eine Verschiebung weg vom stationären hin zum ambulanten Patienten statt. Diese Entwicklung schlägt sich auch in unseren Patientenzahlen nieder. Anfang Jahr wurde mit einer Machbarkeitsstudie eine mögliche räumliche Entwicklung im Spital aufgezeigt und in unserem Masterplan festgelegt. Dieser wurde Ende Jahr von der Spitalkommission gut geheissen. Geplant ist bis Ende 2020, die Um- und Erweiterungsbauten zu realisieren. Das Spital bekommt dadurch nicht nur eine top moderne Infrastruktur sondern auch die grosse Chance, alle Abläufe und Prozesse zu optimieren und zukunftsgerichtet zu gestalten. Möglich ist dies dank der sehr guten Eigenkapitalquote und unseren Fortschritten hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit (EBITDA).

Was bedeutet dies konkret baulich?

Auf Basis der effektiv geforderten Leistungen und der Entwicklung der Fallzahlen werden die Ressourcen des Spitals vom Erdgeschoss bis unters Dach neu bemessen – dies unter Berücksichtigung des strategischen Wachstums. Prozesse und Abläufe werden so geplant, dass das Spital kundenfreund­licher und wirtschaftlicher betrieben werden kann. Der fünfte Stock wird komplett auf den allgemein versicherten Patienten abgestimmt, anderseits soll auch eine Tagesklinik attraktiv und zweckmässig gestaltet werden. So vermeiden wir die Vermischung von stationären und ambulanten Patienten, was immer sehr teuer ist. Es entstehen zudem im 6. Stock eine attraktive Privatstation und auf dem Dach Konferenzräume. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss soll das ambulante Angebot, z. B. Sprechstunden, zusammengelegt und somit prozessfreundlicher gestaltet werden. Im Erdgeschoss werden zudem Cafeteria und Personalrestaurant eine Einheit bilden und der Eingangs- und Empfangsbereich aufgewertet. Vor dem Haus wollen wir die «Parklandschaft» verbessern.

Wie sieht die finanzielle Entwicklung aus?

Allgemein hatten wir im letzten Jahr 1,1 % weniger stationäre Patienten, während die ambulanten Behandlungen um 7,3 % gestiegen sind. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Spital sank leicht von 5,65 Tagen im Vorjahr auf 5,39 Tage. Finanziell konnten wir einen rechten Sprung nach vorne verzeichnen. Der EBITDA betrug 1,8 % wodurch auch die Eigenkapitalquote auf 82,3 % gestiegen ist. Der Personalaufwand lag rund 100'000 Franken tiefer als 2015. Die Gemeinde­beiträge konnten wegen des guten Geschäftsgangs von den budgetierten 1,6 Millionen auf 154'000 Franken gesenkt werden. Eine positive Bilanz zeigt sich auch beim Pflegeheim Promulins. Hier konnten wir mit einem Plus von 185'000 Franken abschliessen und die Eigenkapitalquote auf sehr gute 91,7 % erhöhen. Der EBITDA beträgt 10.6 %. Generell ist festzuhalten, dass der Wertewandel und die Etablierung einer neuen Unternehmenskultur in der Regel fünf bis sieben Jahre dauern. Wir haben diesbezüglich bereits wichtige Meilensteine erreicht.

Sie hatten im letzten Jahr einige Personalwechsel zu verkraften.?

Ja. In den letzten zwei Jahren mussten gleich drei Chefarztstellen neu besetzt werden: in der Frauenklinik, in der Medizin und der Chirurgie. Zusätzlich mussten wir für die Orthopädie eine Lösung finden und auch die Leitung des Pflegedienstes musste neu ausgeschrieben werden. Die Besetzung solcher Schlüsselstellen ist erfolgsentscheidend. Wir hatten das Glück, dass wir drei der vier Vakanzen über eine interne Rekrutierung besetzen konnten. Das ist positiv, man kennt die Leute schon, das Vertrauen intern und extern ist da. Bedeutungsvoll ist in diesem Zusammenhang auch der Abschluss neuer Kaderarztverträge auf Basis eines Grundgehalts und eines unternehmerischen Anteils. Damit konnte eine langjährige Pendenz endlich abgeschlossen und ein wichtiger Schritt hin zu unternehmerischem Denken und Handeln gemacht werden. 

Wie sieht die vieldiskutierte Entwicklung hinsichtlich dem Pflegeheim Promulins aus?

Das Hin und Her zur neuen Rechtsform für das Spital Oberengadin und das Pflegeheim Promulins stellte die Spitalführung, die Spitalkommission wie auch die Gemeindepräsidentenkonferenz vor grosse Herausforderungen und beanspruchte übers ganze Jahr viele Ressourcen. Zum Glück zeigte sich gegen Ende Jahr ein Lichtblick, und es konnte jetzt mit allen Parteien eine gute Lösung erzielt werden. Das Pflegeheim Promulins wird in eine Immobilien AG überführt und das Spital Oberengadin erhält den Leistungsauftrag, das Pflegeheim Promulins zu führen. Entsprechende formelle Schritte sind für 2017 vorgesehen.

Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2017 geben?

Der eingeschlagene Weg muss unbedingt einge­halten und die Strategie konsequent umgesetzt werden. Dazu gehören auch die angedachte Verbesserung der Prozesse und die Angleichung der Ressourcen an die Entwicklung der Patientenzahlen – dies unter Beachtung der Resultate der durchgeführten Patientenbefragung.

Grosse Priorität gebe ich der Abstimmung über die neue Rechtsform für Spital (Stiftung) und Promulins (Immobilien AG) verbunden mit dem Leistungsauftrag für das Spital. Wichtig ist hier die rasche Besetzung der entsprechenden Gre­mien, z. B. die Stiftung mit Stiftungsratsmitgliedern und mit dem Ausschuss, so dass weiterhin Ent­scheidungen getroffen werden können und kein Führungsvakuum entsteht.

Weiter steht die Leistungsvereinbarung für das Spital Oberengadin mit den Gemeinden im Raum. Auch wenn die Zahlen im Moment gut aussehen, braucht das Spital Oberengadin von den Gemeinden eine jährliche Unterstützung, um spezielle Leistungen anbieten zu können. Ohne diese können die Finanzziele nicht erreicht und die künftige Sicherung des gesundheitlichen Gesamtangebotes nicht aufrecht erhalten werden. Dies ist aber nicht zuletzt für die volkswirtschaftliche und touristische Entwicklung der Region von eminenter Wichtigkeit. Dann gilt es, die Attrak­tivität der Arbeitsplätze weiter zu steigern.

Auch sind bereits wieder Standortbestimmungen fällig und die Ableitung bzw. Anpassung der Strategie für die nächsten drei Jahre.

Dieser Beitrag ist erstmals im Geschäftsbericht 2016 erschienen. 

Heinz Schneider

Heinz Schneider ist 64-jährig, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen. So war er am Regionalspital Rheinfelden als Leiter Personal und Einkauf sowie Stellvertretender Direktor tätig, wechselte dann als Leiter Kaufmännische Dienste zum Kantonsspital Liestal, wo er ab 1996 erfolgreich 16 Jahre als Direktor und Dienststellenleiter der Volkswirtschaft und Gesundheitsdirektion das Spital leitete. Von 2012 bis 2014 war er CEO des Kantonsspitals Baselland. Schneider weist grosse Kenntnisse mit der Umstrukturierung von Spitälern auf. So war er leitender Direktor und designierter CEO im Fusionsprojekt «trilogie», bei dem drei Kantonsspitäler zusammengeführt wurden.