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Interview mit Dr. med. Cathrin Büchi

«Die Ruhe schätze ich in St. Moritz besonders»

Das Spital Oberengadin hat am 1. Dezember 2016 die pädiatrische Praxis für Kinder- und Jugendmedizin von Herr Dr. Bienentreu übernommen. Wir haben mit Dr. med. Cathrin Büchi, Leitende Ärztin für Pädiatrie und Neonatologie, über ihre Arbeit in St. Moritz gesprochen.

Frau Dr. Büchi. Wie haben Sie sich in der Praxis in St. Moritz eingelebt?

Ich fühle mich in der Praxis sehr wohl, auch wenn es eine grosse Herausforderung für alle Beteiligten ist, neben dem Spitalalltag mit der Betreuung von stationären Patienten, einem Notfallbetrieb und der Präsenz für den Gebärsaal, zwei Praxen zu führen. Die gute Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Bienentreu hat mir die Weiterbetreuung seiner Patienten erleichtert. Als er noch hier in St. Moritz arbeitete, pflegten wir einen wertvollen fachlichen Austausch. Im Vorfeld der Praxisübernahme haben wir die Kinder mit komplexen Krankengeschichten zusammen besprochen, so dass mit diesem wichtigen Informationsaustausch eine nahtlose Betreuung der Kinder gewährleistet war. Bei Fragen steht mir Herr Dr. Bienentreu nach wie vor zur Verfügung.

Was hat sich in der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin St. Moritz seit der Übernahme geändert?

Für die meisten Kinder und Familien bedeutet der Arztwechsel eine grosse Veränderung. Sie kamen während vielen Jahren hierher zu Herrn Dr. Bienentreu – ihrer Vertrauensperson. Mit der Praxisübernahme möchten Herr Dr. Rubens und ich den Kindern und ihren Familien weiterhin eine vertrauensvolle, umfassende kindermedizinische Versorgung in ihrer gewohnten Umgebung anbieten.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit in der neuen Praxis?

Was ich sehr schätze, ist die Ruhe. Hier kann ich mich um die Kinder kümmern und mit den Eltern Gespräche führen, ohne dass ich gestört werde, weil ich anderswo auch gebraucht werde. In der Praxis im Spital Oberengadin ist es wesentlich unruhiger. In Samedan sind wir neben dem Praxisbetrieb auch für die Kinder auf der Notfallstation, für die hospitalisierten Kinder und für den Gebärsaal zuständig. Dies kann zu Störungen der Sprechstunde führen.

Was ist ihre Vision für die Praxis in St. Moritz?

Für mich sind die beiden Praxen in St. Moritz und im Spital Oberengadin eins. Meine Vision ist eine solide pädiatrische Grundversorgung im Ober­en­gadin – primär für die Bevölkerung, aber auch für die Touristen. Wir leben hier in einem Tal und sind von den nächsten grösseren medizinischen Zentren durch Pässe getrennt. Die enge Zusammenarbeit mit den Hausärzten ist für mich extrem wichtig. Wir bieten an, dass wir bei pädiatrischen Fragestellungen beratend zugezogen werden können, ohne dass für die Familien grössere Reisewege entstehen. Befindet sich ein Kind in einem Zustand, von dem Komplikationen erwartet werden müssen, verlegen wir sie primär in die Kinderklinik nach Chur. Dasselbe gilt für Kinder mit komplexen Erkran­kungen, die einer umfassenderen Behandlung bedürfen, als wir sie hier anbieten können. Ich arbeite auch eng mit anderen Kinderkliniken in der Schweiz zusammen.

Was schätzen Sie an der Arbeit mit Kindern im Engadin besonders?

Die Kinder hier im Engadin dürfen sich noch weitestgehend im Rahmen der Variabilität ent­wickeln, ohne dass von aussen ein grosser Druck entsteht. Das macht mir den Alltag einfach, weil ich die Eltern bestärken kann, darauf zu vertrauen, dass ihre Kinder den nächsten Entwicklungsschritt machen, wenn sie dazu bereit sind. Meine Aufgabe ist es, auffällige Abweichungen von der Norm zu erkennen und entsprechende Schritte einzuleiten. Ich benutze in diesem Zusammenhang häufig folgendes Bild: Ein Blümchen wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Es braucht regelmässige Pflege und einen angemessenen Standort, dann gedeiht es seiner Anlage entsprechend. Wenn man das Köpfchen abreisst, weil man zu sehr daran zieht, wartet man meist sehr lange, bis das Blümchen wieder blüht.

Und was machen Sie als erstes, wenn Sie nach einem Arbeitstag nach Hause kommen?

Das kommt ganz auf die Tageszeit an. Manchmal wünsche ich mir einfach nur noch mein Bett, um ein paar Stunden zu schlafen. Wenn der Tag nicht ganz so anstrengend war, geniesse ich es, einen Moment Zeit für mich zu haben, um meinen Gedanken nachzusinnen und neue Pläne zu schmieden. Ich schätze es aber auch sehr, wenn ich nach der Arbeit mit einem lieben Menschen über andere wichtige Dinge im Leben sprechen kann.

 

Dieser Beitrag ist erstmals im Geschäftsbericht 2016 erschienen. 

Dr. med. Cathrin Büchi

Dr. med. Cathrin Büchi ist seit Dezember 2016 leitende Ärztin für Pädiatrie und Neonatologie im Engadin. Sie betreut Neugeborene, Kinder und Jugendliche im Spital Oberengadin und in der Praxis in St. Moritz. Zuvor arbeitete Dr. med. Cathrin Büchi in der Kinderklinik am Kantonsspital Winterthur und vertrat Herr Dr. Rubens zwei Mal pro Monat in der Praxis im Spital Oberengadin. Geboren und aufgewachsen ist sie in der Innerschweiz im Kanton Uri. Ihre Freizeit verbringt Dr. med. Cathrin Büchi am liebsten in der Natur. Sie versteht sehr gut Italienisch und spricht Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch.